Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld…?
Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld...?

„Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt,
wer hat soviel Pinke-Pinke, wer hat soviel Geld?…“

 

Eine Scheidung ist eine teuere Angelegenheit, das weiß jedes Kind. Was aber häufig nicht bedacht wird: auch das Getrenntsein muss man sich leisten können.

 

Denn der Lebensstandard jedes Familie vor der Trennung ist auf ein oder zwei Einkommen, aber einen Haushalt ausgerichtet. Das klingt wie eine Binsenweisheit, ist es aber nicht. Denn die meisten möchten genauso weiterleben wie zuvor – nur eben bitte ohne Partner.

 

Tatsächlich ist das Fell des Bären nicht größer geworden. Aber nun müssen zwei Wohnungen davon bezahlt werden, und wenn sich die Eltern für das Wechselmodell entscheiden, dann auch beide mit der angemessenen Anzahl von Kinderzimmern. Angesichts der Wohnungskrise in den Ballungsräumen wird wohl so mancher Plan sich zu trennen vertagt.

Finanzielle Regelung nach dem Gesetz…

Es gibt es nun zwei Möglichkeiten: entweder das Paar hält sich an das, was das Gesetz vorgibt. Das kann sinnvoll sein, das kann aber subjektiv wie objektiv ungerecht sein. Wenn der Mann die Kinder nur *fast* zur Hälfte nimmt, dann zahlt er (bis auf ein paar Groschen) den gleichen Kindesunterhalt, als wenn er sie nur jedes zweite Wochenende und mal ’nen Mittwoch nimmt, obwohl seine Aufwendungen genauso hoch sind wie bei der Mutter. Weiterhin erhält der eine Partner – meist die Frau –  im Trennungsjahr den sogenannten Trennungsunterhalt. Danach unterliegen Ehegattenunterhalt und Betreuungsunterhalt nach der letzten Reformierung des Unterhaltsrechts der Eigenverantwortung. Weil, wie wir alle wissen, Betreuungsplätze und familienkompatible Arbeitsplätze ja in Hülle und Fülle vorhanden sind.

… oder nach der Familiensituation

Oder das Paar möchte im Rahmen der Mediation eine eigene Lösung finden. Eine finanzielle Lösung, bei der beide das behalten und erhalten, was sie brauchen, immer die Kinder und ihre Bedürfnisse im Blick. Klingt gut? Hat aber ein Problem. Denn dafür müsste das Paar etwas machen, was sehr, sehr schmerzhaft werden kann: einen Kassensturz. Was wer verdient, das lässt sich bei Angestellten ja relativ leicht herausfinden – Selbstständige hingegen lassen den Partner da schon mal gerne im Unklaren. Genauso wichtig ist aber, was auf der Ausgabenseite steht. Denn eine individuelle und gerechte Lösung kann nur dann gefunden werden, wenn man weiß, was man tatsächlich braucht.

 

In Familien, in denen das Geld schon vor der Trennung knapp war, ist das kein Problem. Weihnachten ist es ein bisschen mehr, wegen dem Festessen. Für die Geschenke spare ich schon ab August, sagt die Frau und legt eine akribisch geführte Haushaltsabrechnung vor. Nur ist der Spielraum für eine individuelle Lösung halt eben auch sehr, sehr klein.

 

Wenn eine Familie verfügbares Einkommen hat, wären individuelle Lösungen möglich – aber leider meist nur theoretisch. Denn je mehr Geld die Familie hat, desto geringer ist oft die Ahnung, wo das Geld eigentlich bleibt. Und desto geringer ist das Verlangen, einmal genau hinzuschauen. Weder vor sich selbst, noch vor dem Ex-Partner.

Es geht beim Geld nie nur ums Geld

Denn was jeder Mediator und jede Mediatorin sehr schnell lernt: wenn es um Geld geht, geht es nie nur um Geld. Der Streit ums Geld ist ein Paradebeispiel für einen Konflikt nach dem Pareto-Prinzip: oberflächlich geht es ums Geld, aber unter der Oberfläche spielen oftmals ganz andere Sachen eine Rolle. Nicht nur in der gescheiterten Beziehung haben sich da über die Jahre unausgesprochene Muster eingespielt, beide Partner bringen auch ihr Päckchen mit, das sie in der Kindheit und in den vergangenen Beziehungen geschnürt haben.

 

So wunderte sich die freundliche Familienmediatorin über ein Paar, das zwar relativ leicht eine Einigung über die Betreuung der Kinder erzielen konnte, aber in den Geldfragen eine den Einkommensverhältnissen völlig unverhältnismäßige Korinthenkackerei an den Tag legte. Warum? Jede einzelne weitere Mediationssitzung kostete mehr als den Betrag, um den es ging!

 

Wir haben dann das Pareto-Prinzip erläutert und beide gebeten, zum Thema Geld einfach einmal ins Reden zu kommen. Und so erzählten sie sich Geschichten aus der Kindheit und aus den Jahren, bevor sie sich kannten, die sie nie erwähnt hatten, die aber eine Erklärung für das vermeintlich irrationale Verhalten lieferten. Die Würdigung und das Verständnis waren Grundlage dafür, dass sie am Ende doch eine Lösung finden konnten.

 

  • Es geht bei Geld um Macht und Autonomie! Dies ist Küchentischpsychologie, aber wer als Kind nie über Geld verfügen konnte, der will als Erwachsener die Hoheit über seinen Geldbeutel ganz gewiss nicht aufgeben.
  • Es geht um Würdigung der Erziehungsarbeit, die zwar kein Geld einbringt, aber dem anderen die Berufstätigkeit erlaubt.
  • Es geht um die eigene Geschichte! Wer als Kind in finanzieller Sicherheit ausgewachsen ist, kann sich kaum vorstellen, wie es ist, auf Dauer jeden Groschen zweimal umzudrehen.
  • Es geht um Sicherheit! Eine prekäre finanzielle Situation macht krank, erst recht, wenn man der Meinung ist, der Ex-Partner wäre schuld daran.
  • Es geht um unser Zutrauen in die Zukunft! Nach der Trennung wollen viele Weichen neu gestellt werden, wie soll das gehen ohne Geld?
  • Und es geht um unsere Definition von einem erfolgreichen Leben. Wer nach einer Trennung auf einmal ohne Geld dasteht, der fühlt sich doppelt gescheitert.

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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