Wenn Controller sich trennen: Sex and the Spreadsheet
Sex

Heute blieb das geübte Auge der freundlichen Mediatorin an einer Notiz in der so geschätzten Mopo hängen: „Ehemann dokumentiert unbefriedigendes Sex – Leben in einer Excel-Liste„.

 

Oha! Da führte ein 26jähriger Amerikaner einen Monat genauestens Buch, wann, wie oft und vor allem: mit welcher Ausrede ihn seine Ehefrau von der Bettkante stieß.  Immerhin: In 27 von 30 Versuchen. Das reichte von „ich will diese Fernsehsendung sehen“ (Wiederholung von Friends“) über die üblichen Klassiker (zu müde / zu betrunken / zu verschwitzt) bis zur „nicht-verbalen Ablehnung“. Diese Liste mailte er ihr zu, als sie gerade zu einer 10tägigen Geschäftsreise aufbrach. Danach verschwand er – zumindest war er für eine Antwort nicht zu erreichen, und es ist nicht anzunehmen, dass er jetzt zuhause auf sie wartet.

 

Sie hingegen stellte die Excel-Liste auf Reddit ein und fragte (in Ermangelung einer guten Freundin? Aber da bin ich vielleicht altmodisch) die community um Rat. In über 750 Beiträgen wurde diskutiert, und die Diskussion kam immer wieder zurück auf: 1.) Der arme Kerl; 2.) Ihr solltet wirklich mal wieder.

 

Nun bin ich ja keine Sex -Therapeutin sondern eine Mediatorin, und so will ich einmal die These aufstellen:  Die beiden haben ein ernsthaftes Kommunikationsproblem, doch.

 

Aus den Informationen habe ich entnommen, dass sie seit einiger Zeit ihren ersten „echten“ Job hat, der sie fordert und anstrengt. Dass sie sich trotzdem weiterhin allein um den Haushalt kümmert. Dass sie das Gefühl hat, sich aus Zeitmangel selbst zu vernachlässigen. Ihre Lebenssituation hat sich grundlegend geändert. Also ein Umbruch.

 

Er hingegen fühlt sich allein gelassen. Seit neuesten ist sie entweder am arbeiten oder am… arbeiten, und wenn sie mal nicht arbeitet, treibt sie sich im Sportstudio zur endgültigen Erschöpfung, guckt sinnlos fern oder putzt. Er? Komplett abgemeldet, und wahrscheinlich nicht nur, was Sex angeht.

 

Wenn eine Lebenssituation sich ändert, muss der Familienvertrag neu ausgehandelt werden. Das haben die beiden versäumt.

 

In der Mediation gibt es eine Übung mit dem schönen Namen „Stuhltausch“.

Nacheinander beschreiben beide der Konfliktparteien die Situation – aber aus der Sicht des anderen. Wie der andere den Konflikt erlebt, wie er sich dabei fühlt. Das klingt zunächst simpel, führt aber oft bei beiden zu einem Aha-Erlebnis, das eine konstruktive Bearbeitung des Konfliktes erst möglich macht.

Denn der Stuhltausch öffnet die Augen für die Perspektive des anderen – etwas, was die meisten Menschen im Streitfall nicht schaffen. Eine Diskussion auf Reddit zu eröffnen ist jedoch keine mir bekannte Mediationstechnik.


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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