Was tun wir den Kindern an und warum das vielleicht auch gute Seiten hat.
Was wir Kindern antun

Was tun wir den Kindern eigentlich an, wenn wir uns trennen?

Die freundliche Mediatorin ist ja von dieser Fragestellung selbst betroffen, wie jeder hier nachlesen kann. Und deshalb versetzte es ihr auch einen kleinen Stich, als zu dieser Frage in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nido ein sehr lesenswerter Artikel erschien. (Leider nur ein Auszug: hier!)

 

Denn es ist ein Thema, das stets an ihr nagt, ob ihre grundsätzlich bzw. altersgemäß glücklichen, witzigen, verschmusten, vernünftigen und verspielten Kinder nicht glücklicher, witziger, verschmuster, vernünftiger und verspielter wären, hätte man ihnen diese Erfahrung erspart.

 

Nun hat ja die freundliche Mediatorin selbst mit ihrem nunmehr Ex-Mann eine Mediation gemacht, und so nimmt sie für sich in Anspruch, aus der Situation das bestmöglichste gemacht zu haben. Die ganze Liste ist getreulich abgehakt:

 

  • keinen Streit vor den Kindern austragen
  • die Kinder haben genauso viel Kontakt zu Mama wie zu Papa
  • Mama und Papa wohnen 5 Minuten voneinander entfernt
  • den anderen vor den Kindern nicht schlechtmachen
  • im Gegenteil, immer den anderen im besten Licht darstellen
  • neue Partner seeeeehr behutsam in die Familie einbringen
  • Verabredungen und Vereinbarungen einhalten
  • gutes Verhältnis zur Ex-Schwiegermutter pflegen
  • dem anderen immer entgegenkommen, soweit es irgendwie geht.

 

Und trotzdem. Die Kinder würde spontane Jipieeh-Tänze aufführen, wenn die freundliche Mediatorin und ihr Ex-Mann wieder zusammenfänden.

 

Denn egal wie normal inzwischen Patchworkfamilien sind, und egal wie belastend eine nach außen hin heile Familiensituation sein kann: Kinder sind erzkonservativ. Geradezu reaktionär. Am liebsten hätten sie Vater, Mutter, Kind, Kind und Hund und wahrscheinlich noch einen Bausparvertrag, wenn sie nur wüssten, was das ist. Sie werden schon aus der Bahn geworfen, wenn man mal einen anderen Weg zum Kindergarten geht, weil man am Briefkasten vorbei muss, die Brotscheibe muss stets sechs Scheiben Salami haben, zum Einschlafen Butzelchen und nie Schnuffelchen. Mein Sohn musste – musste – immer vor dem Einschlafen eine Flasche Milch haben, auch als er alt genug war, zu verstehen, dass in diesem gottverdammten Hotel das Glas warme Milch 4,- € kostete, obwohl die Kühe im Stall nebenan standen.

 

Und dass Mama und Papa nun in getrennten Wohnungen sind, das sollen Kinder nun so einfach wegstecken?

 

In der Psychologie spricht man von Notwendigkeit der drei B’s, Bonding, Belonging und Believing: Bindung, Zugehörigkeit und das Vertrauen darin. Wird dieses durch eine Trennung nicht in den Grundfesten erschüttert?

 

Vielleicht. Aber vielleicht lernen Scheidungskinder etwas ganz anderes.

Dass es im Leben immer weiter geht.

Dass es im Leben manchmal schöne, aber manchmal auch weniger schöne Zeiten gibt.

Dass Zeit alle Wunden heilt (klischeehaft aber wahr).

Dass man sich streiten kann und sogar trennen kann und trotzdem den anderen nicht abgrundtief hassen muss.

Dass Erwachsene auch nicht alles wissen, können und vorausschauen.

Dass man sich im Leben manchmal neu entscheiden muss.

Dass man sich im Leben manchmal neu entscheiden darf.

Und dass egal, was Mama und Papa für Streit untereinander haben, sie ihre Kinder lieben wie nichts auf der Welt.

 

Als Rüstzeug fürs Leben ist das doch auch nicht wenig.

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
"; t.type = "text/javascript"; t.async = true;e.getElementsByTagName("head")[0].appendChild(t)})(document)