Wahrheiten über das Wechselmodell – ab auf den Prüfstein! Folge 1
Wahrheiten über das Wechselmodell

Unlängst stellte jemand in einer Facebook-Gruppe die Frage, was man denn beachten müsse, wenn nach einer Trennung das Wechselmodell in Betracht gezogen wird.

Da schüttelte die freundliche Familienmediatorin locker gleich einen Punkt nach dem anderen aus dem Ärmel, denn aus der eigenen Familiengeschichte und aus ihrer Beratungstätigkeit hat sie ja doch einen gewissen Erfahrungsschatz zusammengetragen.

 

Die Leserin war’s zufrieden, die Mediatorin irgendwie nicht.  Denn in mir rumorte es weiter, denn all dies, was ich so locker von mir gegeben habe – hat dies bei näheren Hinsehen wirklich Bestand?

Und so werde ich mir in lockerer Folge nach und nach all diese Glaubenssätze einmal genauer ansehen. Ich fange an mit:

Wahrheiten über das Wechselmodell # 1: Kein Wechselmodell bei hocheskalierten Konflikten

Was für manche gleichbedeutend ist mit: Das Wechselmodell geht nur, wenn die Eltern so gut miteinander können, dass sie auch genauso gut zusammenbleiben könnten.

 

Natürlich, Kinder haben feine Antennen dafür, ob die Eltern die freundliche Miene nur in Anwesenheit der Kinder aufsetzen, sich aber eigentlich am liebsten an die Gurgel gehen würden. Daraus wird der Schluss gezogen, diese Eltern sollten den Kontakt miteinander möglichst minimieren – so weit, so richtig.

Warum dies aber gleichzeitig bedeuten muss, dass ein Elternteil (und dies ist meistens der Vater) dann auch den Kontakt zu den Kindern minimieren muss, dies erschließt sich mir nicht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wechselmodell klappt auch, wenn die Eltern keine drei Worte im Monat freiwillig miteinander wechseln, oder wenn der Konflikt auf einem anderen Feld – wie z.B. über die Finanzen – ausgetragen wird. Kleinere Kinder kann man prima beim anderen Elternteil abliefern, ohne die Wohnung des anderen zu betreten – klingeln, Kinder hoch schicken, fertig. Ältere Kinder brauchen ohnehin nicht mehr gebracht zu werden. Das ist nicht schön. Aber es ist immer noch besser als den Kindern zu sagen: Ich habe Streit mit dem Papa, also darfst du ihn nicht mehr sehen.

 

Ansonsten: Kontakt per mail, WhatsApp oder Messenger, was auch den unschlagbaren Vorteil hat, dass man sich Monate später noch gegenseitig vorwerfen kann, was wer wann behauptet hat.

 

Es gibt bei hocheskalierten Konflikten nur eine Regel zu beachten – aber die gilt nicht nur beim Wechselmodell, sondern auch beim Residenzmodell: Niemals, aber wirklich niemals den Konflikt über die Kinder auszutragen.

 

Und ausgerechnet da erweisen sich manche Eltern als wirklich phantasievoll.

So hatte ich einmal den Fall, dass die Mutter den Kontakt mit dem Vater torpedierte, indem sie immer und grundsätzlich, wenn der Vater das dreijährige Kind am Donnerstag nachmittags abholen wollte, die besten Freunde des Kindes zum Spielen eingeladen hatte – so ein Zufall aber auch.

Kein Kind möchte aus der Spielsituation herausgerissen werden, und so wurde jede Übergabe durch Heulen und Strampeln begleitet.

Auf so eine Gemeinheit muss man erst einmal kommen! Jedoch – mit so einem Verhalten schadet die Mutter in erster Linie dem Kind. Was ihr herzlich egal war, solange sich nur der Vater schön ärgerte.

 

Was die Mutter dabei außer Acht lässt, ist dass ihr ein solches Verhalten mittelfristig auf die Füße fallen wird. Merke: Kinder sind nicht doof. Und auch gegenüber Ungerechtigkeiten sind die Antennen fein. So kann es passieren, dass – wie in einem anderen Fall -, die Kinder die Seiten wechseln, sobald sie selbständig die Türklinke greifen können. Mit 14 Jahren können Kinder nämlich alleine entscheiden, bei wem sie wohnen wollen.

 

Fall zwei aus meiner Praxis: Die Mutter verhinderte erfolgreich das Wechselmodell, machte weiterhin bei jeder Gelegenheit den Vater madig, hätte am liebsten den Kontakt ganz verhindert… und dann zogen die Kinder zum Vater und ließen die Mutter allein.

 

Eine Mediation kann helfen!

Denn in einem geschützten Raum und mit Hilfe eines Mediators können auch zerstrittene Eltern mit dem Fokus auf die Bedürfnisse der Kinder Abläufe und Regeln definieren, so dass ständige Absprachen und Verhandlungen eigentlich gar nicht mehr nötig sind. Ein für alle Male wird gemeinsam festgelegt, wie mit Geburtstagen, Zahnarztterminen, Elternabenden, Ferientagen, Kindergeld etcpp verfahren wird. Und weil diese Punkte gemeinsam erarbeitet werden, braucht sich keiner übervorteilt zu fühlen. 

 

Und so können die Jahre ins Land gehen – als Eltern, aber nicht als Freunde, nicht als Partner.

 

Nota bene: Wir reden hier von Konflikten, die aus ihrer Dynamik heraus eskaliert sind und in sich der Phase des offenen Streits befinden. Wann auch immer psychische und physische Gewalt insbesondere gegenüber den Kindern im Spiel ist, dann gibt es nur eines: Kinder schützen, indem man sie aus der Schusslinie nimmt. Da hilft auch keine Mediation.

Mehr Informationen z.B. hier! http://www.gewalt-ist-nie-okay.de/


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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