Was ich noch sagen wollte: Von Konkurrenz und Kooperation

Was ich noch sagen wollte

Wenn ich Dir

Einen Tipp geben darf

Ich meine

Ich bitte Dich

Um alles in der Welt

Und wider besseres Wissen:

Halte Dich nicht schadlos

Zieh den kürzeren

Lass Dir etwas entgehen

Eva Zeller

Die freundliche Familienmediatorin ging ja vor langer, langer Zeit auf eine amerikanische Schule, da war die Leidenschaft für Mannschaftssport gewissermaßen Grundvoraussetzung. Nichts geringeres als die Schulehre galt es zu verteidigen in Basketball, Fußball oder selbst Schach, für Basketball / Mädchen war ich damals zuständig.

Leider ging es dabei nicht unbedingt um den Spaß an der Bewegung oder um ein schönes Spiel – einziges Ziel war es, den Gegner „platt zu machen“, „fertig zu machen“, zu konkurrieren.

Fast forward – und meinen Kindern geht die Lust am Turniersport vollständig ab. Aus Freude an der Bewegung den Ball in den Park nehmen – jederzeit. Eine Rangfolge zu erstellen zwischen Winnern und Losern – den Reiz sehen sich nicht. Sie kooperieren lieber.

Vielleicht haben sie mir da was voraus.

Wieder 20 Jahre zurück. Die freundliche Familienmediatorin beschließt BWL zu studieren. Treuherzig behauptet sie bei allen Bewerbungsgesprächen, die da kommen werden, Intrige und Ränke wären ihr fremd, ihr ginge es um die Sachthemen. Manch ihrer männlichen Kollegen sind da nicht so bestimmt. Irgendwann ist sie Assistentin eines Hauptabteilungsleiters und lernt, wie Karriere in großen Konzernen wirklich geht, wie gemein es in Vorstandsetagen zugehen kann. Denn hier sind Sachthemen zweitrangig – das Konkurrenzdenken wird zum Selbstzweck. Wer „oben“ angekommen ist, verbringt die meiste Zeit damit, seine Konkurrenten abzuwehren. Für die eigentliche Arbeit bleibt kaum Zeit, Kooperation gilt als Schwäche.

Und dann ist die freundliche Familienmediatorin Mediatorin geworden. Mediation ist lateinisch für Vermittlung, da steckt schon im Wort, dass man sich in der Mitte trifft. Kooperiert und nicht konkurriert.

Was ich versuche meinen Klienten zu zeigen: man kann bei Konflikten konkurrieren. Sich gegenseitig versuchen zu übertrumpfen. Auf seinem Vorteil beharren. Sich gegenseitig fertig machen. Vielleicht ist man Ende Sieger, vielleicht Verlierer. Die Kinder verlieren in jedem Fall.

Oder man kann kooperieren. Versuchen, den anderen zu verstehen, ihm ein Stück entgegenkommen. Sich darauf konzentrieren, für die Probleme eine (gemeinsame) Lösung zu finden, und nicht versuchen, sich am anderen zu rächen. Dazu gehört aber auch, zu verzichten, zurückzustecken und vielleicht, vielleicht auch einmal den kürzeren zu ziehen und sich etwas entgehen zu lassen.


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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