Scheidung und Trennung: Vom richtigen Zeitpunkt

Kürzlich räumte die freundliche Mediatorin einen alten Bisley-Schrank aus und es ist erstaunlich, wie viel nicht nur *in* die Schubladen passt, sondern auch *hinter* die Schubladen, wenn man diese nur kräftig genug zu schiebt.   Zum Beispiel fand sich ein Briefentwurf an meinen damaligen Gerade-nicht-mehr-Lebensgefährten C., und ich kann mich bei besten Willen nicht daran erinnern, ob ihn jemals eine Abschrift dieser Zeilen erreicht hat. Ich hoffe nicht.

 

C. war damals gerade ausgezogen. Ich war davon ausgegangen, es wäre eine „Trennung auf  Zeit“, nach der wir doch bitte exakt dort fortsetzen sollten, wo wir aufgehört hatten. Angesichts des damals gepflegten Umgangstons und dem absoluten Mangel an Zukunftsperspektive (er wollte niemals Kinder, ich unbedingt) erschließt sich mir heute nicht, warum das eine so gute Idee gewesen sein soll.

 

Tatsächlich wäre es deutlicher schlauer gewesen, ich hätte schon Jahre vorher die Trennungs-Notbremse gezogen, allein schon wegen der berühmten biologischen Uhr.

 

Gerne betonen ja Paartherapeuten, dass in der heutigen Zeit Paare viel zu schnell auseinander gehen und nicht in der Lage sind, die in einer Beziehung unvermeidlichen Krisenzeiten gemeinsam zu meistern. Mag es geben. In meinem Bekanntenkreis zeigt sich eher das Problem, dass Beziehungen zu Tode geritten werden, und man sich erst zur Trennung durchringen kann, wenn man sich abgrundtief hasst, obwohl die Gründe einem seit Jahren klar sind. Was im übrigen, darauf weist die freundliche Mediatorin hin, keine gute Voraussetzung dafür ist, etwaige Kinder unbeschadet durch eine Trennung zu führen.

 

Aber wann ist in einer Beziehung der Moment gekommen?   Vor Jahr und Tag erschien auf dem amerikanischen online-Magazin salon.com eine Ratgeberkolumne von Cary Tennis, der sich inzwischen mit einer eigenen, sehr lesenswerten website herumtreibt. Damals schrieb jemand, der demnächst heiraten wollte, dass seine Partnerin darauf besteht 1.) wöchentlich ihren Therapeuten zu besuchen; 2.) diesen Therapeuten und nicht den zukünftigen Ehemann als Gesprächspartner für den persönlichen Kram zu nutzen; 3.) ihrem Zukünftigen nicht davon zu erzählen, was sie da eigentlich zu besprechen hat.

 

Nun ist dies Kalifornien, wo ein Besuch beim Therapeuten so normal ist wie bei uns der Zahnarztbesuch. Trotzdem wurde die Beziehung in Frage gestellt, was nachzuvollziehen ist.

Cary Tennis‘ Antwort ist so einfach wie genial: Wir müssen nicht alles verstehen. Wir müssen nicht Regeln aufstellen, die einzuhalten sind. Wir müssen das Vertrauen haben, dass ein Handeln, eine Entscheidung unseres Partner oder unserer Partnerin auf wie auch immer verschlungenen Pfaden dem Interesse der Partnerschaft dienen soll. Haben wir das Vertrauen nicht / nicht mehr / nie gehabt, sollten wir uns für eine Trennung entscheiden, denn die Beziehung fußt nicht auf guten Glauben (viel eleganter auf englisch: It is in bad faith).

Hätte ich das damals mal gewusst.


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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