Trennung im TV: Krieg um Kinder – Wenn die Familie zerbricht

Die freundliche Mediatorin hat es nicht so mit TV und Talkshows, aber die Sendung „Krieg um Kinder – Wenn die Familie zerbricht“  musste ich mir ja ansehen:

 

 

Talkshows auf TV, so meine Vorstellung, haben immer den Nachteil, dass in freundlicher Plauderatmosphäre Platitüden ausgetauscht werden, die wirklich kritischen Aussagen aber gar nicht hinterfragt werden. Vielleicht gibt es ja auch bessere ModeratorInnen auf TV. Hier fand ich meine Vorurteile bestätigt.

 

Als erstes redete Birgit Schrowange. Nicht verheiratet, die Hochzeit mit dem Vater des gemeinsamen Kindes wurde nach neun Jahren Beziehung abgesagt. Und dann plaudert man so hin und her, dass die Kinder ja bei einer Trennungssituation im Vordergrund stehen sollen, und alles nickt, und dass man Paarebene und Elternebene trennen soll, und alles guckt beeindruckt, und dass Kinder ja den Vater genauso brauchen und wie froh sie über die Beziehung zwischen ihrem Sohn und dessen Vater wäre. Und dann erfährt man so in einem Halbsatz, dass der Vater das Kind ja ach so regelmäßig alle vierzehn Tage sieht, und niemand sagt etwas. Niemand.

 

Dazu die unmaßgebliche Meinung der freundlichen Mediatorin: Wer sein Kind alle vierzehn Tage sieht, teilt nicht Alltag mit dem Kind. Vierzehn Tage sind für Kinder eine lange Zeit. Wenn man sich dann sieht, kann man Spaß haben, eine wunderbare Zeit verbringen, die Elternrolle nimmt man jedoch nicht ein. Wohnt das Kind bei mir, muss ich es deutlich, deutlich öfter „rausrücken“, und Entlastung darf dann eben nicht von den Eltern, von den Freunden, von einem Kindermädchen kommen. Wohnt das Kind nicht bei mir, muss ich deutlich, deutlich mehr Zeit investieren, und nicht nur tolle Ausflüge machen, sondern auch die Hausaufgaben abfragen, die Arztbesuche machen, das Nasepopeln verbieten, etcpp. Eben den Alltag meistern. Nur dann stellt sich eine wirkliche Vertrautheit mit dem Kind ein.

 

Der zweite TV-Gast: die italienische Exfrau von Tobias Ritter fühlte sich völlig im Recht, als sie die Kinder nach der Trennung einpackte und mit nach Italien nahm wie das gute Geschirr der Erbtante, über das man sich auch nicht einigen konnte. Das ist glücklicherweise ein ganz extremer Fall, und hier hilft eine Mediation auch nicht weiter. Aber in meinem Bekanntenkreis finden sich erstaunlich viele ebenso gebildete wie gut ausgebildete, moderne, emanzipierte und unabhängige Frauen, die im Falle der Trennung aber ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass das Kind zur Mutter gehört, und der Vater alle vierzehn Tage…

 

Warum eigentlich? Als die Trennung vom Vater meiner Kinder anstand, musste ich nur kurz in mich hineinfragen: Wie fände ich das, wenn ich meine Kinder nur jedes zweites Wochenende sehen könnte? Unerträglich? Und warum sollte ich es dann dem Vater zumuten?

 

Bindungstoleranz. Der Begriff fiel gegen Ende der Sendung. Aushalten können, dass das andere Elternteil genauso ein Recht auf das Kind hat.

 

Aber es gab noch mehr zu entdecken in der lustigen TV- Runde. Als letzter Gast trat Detlef Bräunig auf, ein Bauleiter, der sich seit Jahren weigert Unterhalt zu zahlen, weil ihm die Kinder vorenthalten werden. Nun kenne ich nicht die ganze Geschichte, aber wenn er auch nur halb so drauf ist, wie er sich in seinem eigenen blog Das Männermagazin präsentiert, dann sollten ihm nicht nur die eigenen Kinder, sondern alle Kinder dieser Welt und alle Frauen noch dazu vorenthalten werden. Ohne Mediation. Und im TV sollte er auch nicht auftreten.

 

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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