Redet miteinander. Aber wie bloß?
Zitat Nils Koppruch: Er sieht sie an...

Der von mir hochgeschätzte Herr Buddenbohm  hat sich nun schon am 26. Januar hier in seinem Blog „Herzdamengeschichten“ etwas despektierlich über einen Beitrag im law blog geäußert. Getrennte Eltern müssen miteinander sprechen, heißt es im law blog, und Herr Buddenbohm legt Loriot hier posthum ein „Ach was?“ in den Mund, wobei er ausdrücken will, dies wäre eine banale Selbstverständlichkeit.

Nun ist Herr Buddenbohm noch verheiratet, zumindest weist der Name seines Blogs darauf hin. Die 30%, die schon eine Scheidung erlebt haben, wissen, dass dies alles andere als banal ist.

Wenn eine Ehe scheitert, so kann man wohl grob zwei Kategorien unterscheiden. Bei den einen ist etwas vorgefallen, was den Fortbestand der Ehe von einem Moment zum nächsten unmöglich macht. Ein emotionaler Super-GAU, und hier bemühe ich ein Beispiel aus meinem weiteren Bekanntenkreis: die Ehefrau entdeckt, dass der Ehemann schon seit geraumer Zeit ein erotisches Tagebuch führt. Und es ging erkennbar nicht um sie.
Und nun redet miteinander, stundenlang? Kompromisse schließen, aufeinander zu gehen, zuhören, sich einigen? Wer holt das Söhnchen am Dienstag und wer am Donnerstag aus der Kita ab? Wer bekommt die Kinderbettwäsche mit den Lokomotiven und wer das große LEGO-Set? Was ist mit Weihnachten, Ostern, Geburtstag, Urlaub 2014, 2015, 2016…? Die Hölle.
Wieviel einfacher wäre es, dem Vater schlicht vor den Latz zu knallen, er könne Söhnchen ja jedes zweite Wochenende von / bis haben, Übergabe im Hausflur, that’s it. So hätte er ja auch mehr Zeit für seine literarischen Ambitionen, vielleicht stehe ja eine schriftstellerische Karriere bevor, Shades of Kackbraun? Im übrigen würde man demnächst nach B. ziehen, das darf man zwar nicht so ohne weiteres, aber er könne ja mal gerne versuchen, das zu verhindern.

Bei den anderen wird die Wohnung nicht von Detonationswellen geschüttelt. Die Ehe implodiert nicht und explodiert nicht, sondern stirbt den ganz, ganz langsamen Erstickungstod. Man redet nicht. Warum? Weil man das Miteinanderreden verlernt hat. Weil einen die Gedanken des anderen nicht die Bohne mehr interessieren, weil man seine eigenen Gedanken mit sonstwem teilen möchte, aber doch bitte nicht mit dem eigenen Partner. Weil man bei jedem Wort des anderen innerlich die Augen verdreht. Man will das nicht, denn es war doch alles mal anders. Und man kann sich selbst nicht mehr leiden, weil er das schlechteste in einem herausbringt.
Irgendwann ist bei der Ehe kein Pulsschlag mehr feststellbar, einer spricht aus, was beide schon wissen, man kann noch nicht einmal wirklich traurig sein, aber jetzt… reden?

Vielleicht ist es ja Zeit für eine Mediation.

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
"; t.type = "text/javascript"; t.async = true;e.getElementsByTagName("head")[0].appendChild(t)})(document)