Wie sollen wir leben? Nest-Modell vs. Wechsel-Modell
Nestmodell

Nichts ist mehr einfach

Jahrelang war es so einfach sich zu trennen: wer nicht zusammen gelebt hat, hat einfach nicht mehr angerufen. Wer zusammen gelebt hat, musste sich halt eben einigen, wer die Kochtöpfe behält und wer das Messer-Set.

 

Dann sind auf einmal Kinder im Spiel und nichts ist mehr einfach.

 

Denn sobald nach der emotionalen Trennung die räumliche Trennung erfolgt, vulgo: einer von beiden ist ausgezogen, muss entschieden werden, wie mit den Kindern verfahren wird. Wo werden sie wohnen und wann werden sie von wem betreut? Und die Entscheidung muss schnell fallen, noch während die Wunden frisch sind.

 

Nun ist selten im Leben eine Entscheidung unumstößlich, aber in diesem Fall werden Weichen gestellt, die das zukünftige Verhältnis von den Eltern untereinander und den Eltern zu den Kindern bestimmen, und so manche Scherben werden später nicht mehr zu kitten sein.

 

Dabei gibt es ja grundsätzlich nicht so viele Möglichkeiten:

  • Das klassische Modell: Die Kinder bleiben mit einem Elternteil in der bisherigen Wohnung, das andere Elternteil sucht sich eine Wohnung für sich alleine.
  • Das Nest-Modell: hier eingehend beschrieben in einem sehr lesenswerten Artikel im Süddeutsche Zeitung Magazin – die Kinder bleiben in ihrer vertrauten Wohnung, im Wechsel ziehen Mutter und Vater dazu.
  • Das Wechsel-Modell: Die neue Wohnung hat auch Platz für die Kinder, die Kinder wohnen im Wechsel mal hier und mal da.

 

Aber es ist, als ob man sich zwischen Pest, Cholera und Blattern entscheiden müsste. Man muss sich darüber im Klaren sein: Keines der Modelle ist gut. Es ist nur das eine weniger schlecht als das andere.

Das klassische Modell

Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen davon ausgegangen wurde, nach der Trennung die Kinder gehören zur Mutter und basta!, der Vater solle sich gefälligst hinten anstellen (und den Unterhalt zahlen). Dachte ich. Aber meine Erfahrung lehrt: wer als Mutter dem Vater gleiche Rechte einräumt (oder sogar den Vorrang!), muss sich rechtfertigen. Trotzdem könnte ich mir im Leben nicht vorstellen, mit meinen Kindern nicht mehr das Leben zu teilen. Wieso sollte das dem Vater zuzumuten sein?

Das Nest-Modell

Das käme für mich auch nicht in Frage, denn ich muss zugeben, dass ich an meiner Wohnung und an meinen Sachen hänge. Und ich brauche nach der Trennung die räumliche Distanz zu meinem Ex-Mann und will mich nicht ständig an seinen Spuren stoßen.

Das Wechsel-Modell

Aber mit dem Wechsel-Modell, darauf weist der Artikel in der SZ hin, mute ich den Kindern zu, was ich selbst nicht will: hin und her zu ziehen, nicht ein Zuhause zu haben, sondern zwei. Geht das überhaupt?

 

Und dann gibt es noch ein viertes Modell: Nennen wir es das Hamburger Innenstadts-Modell. Weder Vater noch Mutter können sich eine neue Wohnung leisten bzw. die Miete der alten Wohnung alleine stemmen. Also wird in der alten Wohnung der Stacheldraht hochgezogen. Auch nicht empfehlenswert.


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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