Ministry of Silly Walks, Ministry of Loneliness
loneliness

Und so wurde in Großbritannien ein Ministry of Loneliness gegründet, ein Ministerium gegen die Einsamkeit.

All the lonely people / Where do they all come from? / All the lonely people / Where do they all belong? (Beatles)

Das ist halb so britisch-schrullig wie traurig-notwendig, denn eine Auswertung von 148 Studien in den USA, Europa, Asien und Australien ergab was wir letztlich schon immer wussten: Einsamkeit macht unglücklich, Einsamkeit macht krank, Einsamkeit verkürzt sogar die Lebenserwartung.
Nähe und soziale Beziehungen, auch körperliche Zärtlichkeit sind menschliche Grundbedürfnisse, und wir erinnern uns an die Maslowsche Bedürfnispyramide. Soziale Abweisung spricht dieselben Hirnareale an wie körperlicher Schmerz.
 
Die Gründe für Einsamkeit sind vielschichtig. Wir arbeiten zuviel und verwechseln Kollegen mit Freunden, wir verbringen zuviel Zeit in sozialen Medien und verwechseln likes mit Liebe, wir schätzen Unabhängigkeit und verwechseln sie mit Unverbindlichkeit.
 
Einen Freundeskreis und einen Familienkreis ein Leben lang zu pflegen und immer wieder auszubauen, das ist eine aufwändige und manchmal auch undankbare Aufgabe. Nach einem anstrengenden Tag zappen viele lieber durch die Programme, als dass sie sich die Mühe geben, mal wieder bei Freunden anzurufen, und erst recht nicht bei den ältlichen Verwandten, die vielleicht schon etwas schrullig und anstrengend sind.
 
Dazu passend ein Abschnitt aus dem Roman Unterleuten von Juli Zeh, den ich gerade lese: „Vielleicht (…) wurden Gefühle einfach nicht so alt wie Menschen. Ab einem gewissen Alter lebten Ehepartner wie Mitbewohner in einer WG, falls sie nicht längst geschieden waren. Kinder und Eltern hörten auf, einander zu mögen, besuchten sich trotzdem und waren froh, wenn der andere wieder verschwand. Freunde verloren sich aus den Augen, Nachbarn verwandelten sich in Feinde. Liebschaften wurden lästig, alte Schulkameraden peinlich, und selbst das Haustier fing irgendwann an zu nerven.“

Was hat dies mit Mediation zu tun?

Nun der elegante Bogen zum Thema Mediation: Wer sein Leben – und sein Lebensende – eingebettet in Beziehungen, die tatsächlich etwas bedeuten, führen will, der muss diese Beziehungen ein Leben lang pflegen. Und wenn es zu Konflikten kommt, dann konstruktiv damit umgehen und diese lösen. Möglicherweise mit Hilfe einer Mediation.
Katja Keil
Januar 19th, 2018 at 11:24 pm

Dieses tolle Buch lese ich auch gerade! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen mehr und mehr wieder auf Beziehungen besinnen, je älter sie werden. Umso schmerzhafter ist die Erfahrung, dass eine abgebrochene Brücke oft nicht wieder zu reparieren oder aufzufinden ist oder dass schmerzhafte Gefühle und ungelöste Konflikte zwar erfolgreich verdrängt wurden, aber immer noch präsent genug sind um irgendwann einer guten Beziehung im Weg zu stehen. Ich persönlich finde deshalb Elder Mediation so spannend-als vielleicht letzte Möglichkeit noch Frieden zu schließen und die Dinge zu sagen, die man nie gesagt hat, weil man dachte man hätte noch ein ganzes Leben lang Zeit – und man hat nie ein „ganzes“ Leben…

Friederike Matheis
Januar 20th, 2018 at 7:49 pm

Ja, das ist wahr, dass wir gelebte, erfüllende und manchmal auch anstrengende Beziehungen aktiv pflegen sollten. Liebe, Freundschaft, Mitgefühl sind aktive Prozesse, für die man sich bewusst entscheiden kann. Und ja, insbesondere dann, wenn es schwierig wird. Dann hilft oft auch eine Mediation.

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Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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