Warum ich tu, was ich tu – Inspiration und Motivation
Inspiration durch Entscheidung

Die freundliche Mediatorin glaubt ja nicht an Zufälle. An einem Tag besuche ich eine Veranstaltung zum Thema Inspiration / Motivation und diskutiere mit anderen Mediatoren darüber, was der Beruf mir bedeutet, was mich dabei inspiriert und wie ich mich dafür motivieren kann. Gleich am nächsten Tag werde ich aufgefordert, etwas für den ERGO Blog Award zu schreiben. Thema: Was ist mein persönlicher Weg und wie habe ich ihn entdeckt!

 

Das ist ja mal ein Thema, das mir am Herzen liegt.

 

Erklärungsbedüftige Finanzprodukte…

Denn ich war fast zwanzig Jahre bei der ERGO Versicherung im Marketing tätig. Und, liebe ERGO, da gibt es ein kleines schmutziges Geheimnis: Kein Kunde interessiert sich für Versicherungen. Wirklich nicht. Genauso wenig wie für die Wasserrechnung, die Bahn Card oder den Handyvertrag. Es ist ein notwendiges Übel, sich damit so wenig wie möglich auseinander zu setzen und dann werden alle Unterlagen schnell weggeheftet, entweder in den großen staubigen Versicherungsordner oder gleich unter „P“.

 

Und die Marketingmitarbeiter? Die machen die Arbeit mehr oder weniger gern, dieses Jonglieren mit deadlines, Verhandeln mit Agenturen, Schreiben von briefings. Aber für das *Thema selbst* brennen? Für die neuen Haftpflichtbedingungen?

 

Nach rund der Hälfte meines Berufslebens war nun nichts mehr mit der ERGO und ich musste mir die grundsätzliche Frage stellen: Noch einmal so lange Marketing für erklärungsbedürftige Finanzdienstleistungen? Oder etwas machen, was mir am Herzen liegt? Bedingungstexte oder Rock ’n‘ Roll?

 

Und was wäre für mich Rock ’n‘ Roll?

 

… versus Rock ’n‘ Roll

Um das festzustellen, musste ich nur den Blick heben. Was ist Menschen wirklich wichtig? Es ist nicht ihre Elementarschadenversicherung – es ist ihre Familie.

 

Und die Familie ist oft genug ein Minenfeld. Deshalb bin ich nun Familienmediatorin.

 

Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu; 

und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei.

Heinrich Heine (1797 – 1856), Dichter

 

Denn die große Unbekannte im menschlichen Dasein ist: Wird die Liebe halten?

 

Das war immer schon so. Zweifelsohne haben die ersten Neandertaler, die Höhlen bezogen haben, sich auch gegenseitig aus diesen Höhlen wieder herausgeworfen.

 

Und es wird auch immer so sein. Alle gesellschaftlichen Konstrukte, die das Zusammenleben zwischen Partnern regeln, wollen diese Unbekannte zähmen: Monogamie, Polygamie, Liebesheirat, die Ehe aus wirtschaftlichen Erwägungen, die arrangierte Ehe. Eines haben sie nicht geschafft: eine Garantie, dass die Ehe harmonisch läuft.

 

Derzeit werden in Deutschland fast die Hälfte der Ehen geschieden. Das ist noch nicht einmal der Spitzenplatz in Europa, den nimmt Portugal mit 68% Prozent ein. 

 

Ist das nun schlimm? Kaum jemand wird sich die Zeiten zurück wünschen, in denen auf Grund gesellschaftlicher Konvention oder wirtschaftlicher Notwendigkeit eine Ehe ohne Liebe aufrechterhalten werden musste.

 

Aber Familienkonflikte sind kein Spaß. In einer Welt, die immer mehr von Unsicherheiten geprägt ist, verlieren wir bei einem Konflikt in der Familie unseren Ruhepunkt, unseren sicheren Hafen. Eine Trennung oder Scheidung kann das ganze Leben aus der Bahn werfen. Es wird geschätzt, dass die meisten Gewaltdelikte innerhalb von Familien stattfinden.  Und jeder kennt Beispiele, wie ein Familienkonflikt in die nächste Generation weitergetragen wird und sich auch noch Jahrzehnte später auf das Familienleben der Kinder auswirkt.

 

Wen man am meisten liebt, den kränkt man am ehesten.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881), Schriftsteller 

 

Als Eltern sollte man jede Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn das Kind lispelt, gehen wir zum Logopäden. Wenn der Rücken zwackt, hilft ein Physiotherapeut. Wenn wir in unserem Familienleben unglücklich sind, sollten wir um Himmels willen nicht darauf vertrauen, dass das irgendwie schon wieder wird.

 

Wie kann eine Mediation helfen?

 

Eine Mediation verhindert nicht den Konflikt. Aber sie hilft, anders mit einem Konflikt umzugehen. Denn ein Konflikt ist zunächst ein Zeichen, dass sich etwas verändert hat – entweder im Menschen oder in den äußeren Bedingungen.  In einer Beziehung kann es sein, dass sich der eine weiterentwickelt hat, der andere nicht. Oder das Leben hat sich verändert: Ein Paar hat ein Kind bekommen, was passiert nun mit der Paar-Beziehung? Die Elternzeit ist vorbei, wie wird der Alltag neu organisiert?

 

In einer Beziehung schließen wir einen Vertrag ab. Die Vertragsbestandteile werden nur in den seltensten Fällen offen verhandelt, aber der Zustand der Verliebtheit, wenn man zusammenzieht, hilft darüber hinweg. Es wäre ja auch sehr unromantisch bis ins Detail auszuhandeln, wer wann den Recyclingmüll entsorgt, oder?

 

In einer Paarbeziehung ohne Kinder ist auch meist noch genügend Kraft und Zeit vorhanden, hier großzügig zu sein. Oder man nimmt sich bei zwei vollen Einkommen eine Putzfrau, warum nicht?

 

Wenn nun aber ein Kind kommt, sollte dieser Beziehungsvertrag neu ausgehandelt werden. Denn mit dem Kind ändert sich die Paarbeziehung so radikal, wie man es sich vorher nicht vorstellen kann. Zu dem Zeitpunkt sind aber meist beide Partner dazu gar nicht mehr in der Lage, offen miteinander zu reden. Überforderung, Schlaflosigkeit und Mangel an Gelegenheit zu einem vertrauensvollen Gespräch, das sind hierfür keine guten Voraussetzungen.

 

Eine Mediation bietet einen geschützten Raum, wo solche Gespräche stattfinden können. Es werden nicht Fehler aus der Vergangenheit besprochen, sondern Lösungen für die Zukunft erarbeitet. Es wird ein Vertrag ausgehandelt, wie das Zusammenleben gestaltet werden soll. Man wird viel vom anderen erfahren – und von sich selbst, weil man die vielen vagen Gedanken und Unbehaglichkeiten formulieren und aussprechen muss. Als Mediatorin achte ich darauf, dass die Sprache gewaltfrei bleibt, dass alle Beteiligten sich gegenseitig ausreden lassen und gleich oft zu Wort kommen. Ich kann verschiedene Techniken nutzen, die es den Teilnehmern erleichtert sich in den Standpunkt des anderen hereinzuversetzen. Das hat ganz viel mit Kommunikation zu tun – wie im Marketing. Aber eben noch mehr mit zuhören!

 

Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen

Karl Jaspers(1883  – 1969), deutscher Philosoph

 

 Was hat der Rock’n’Roll mit mir gemacht?

 

Und wieder ein Zufall, an den ich ja nicht glaube: In dem Sommer, in dem der Startschuss für meine neue berufliche Laufbahn fiel, trennte sich mein Mann von mir. Ich war also in der ungewöhnlichen Lage, eine Ausbildung als Mediatorin anzufangen – und gleichzeitig in einer Mediation das Ende meiner eigenen Ehe für alle erträglich zu gestalten. Vor allem für meine beiden Kinder.

 

Drei Jahre später habe ich das Gefühl, in meinem Beruf angekommen zu sein. Mit meiner persönlichen Situation habe ich – auch dank der Mediation – Frieden geschlossen. Aus meinem neuen Beruf ziehe ich die tiefe Befriedigung, Menschen in für sie kritischen Lebenssituationen wirklich zu helfen. Dies wiegt die noch ungewohnte unsichere finanzielle Situation als Selbstständige auf.

 

Aber auch persönlich habe ich mich weiter entwickelt. Ich bin wacher gegenüber den Bedürfnissen anderer und den Signalen, die sie aussenden. Ich sehe Konflikte nicht mehr nur als Gefahr, sondern als Notwendigkeit – ja, sogar als Chance, wenn man konstruktiv damit umgeht. Und ich habe gelernt, keine Angst mehr vor Veränderungen zu haben, denn:

 

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.

Chinesisches Sprichwort

 

Und hier ist der link zum ERGO Blog Award!

 

Noch zwei Blogparade, an denen ich teilnehme:

www.ajb-healthfitness.com

Wenn Türen sich öffnen von Kiwi Pfingsten

 

 

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
"; t.type = "text/javascript"; t.async = true;e.getElementsByTagName("head")[0].appendChild(t)})(document)