Ein Lehrstück zum Thema „Stereotypen“
Stereotypen im Bild

Canon Australia veröffentlicht einen sehr beeindruckenden Promofilm und es geht um Stereotypen und Perspektiven – im übertragenen Sinne!

 

Sechs Fotografen wurden mit Portraitaufnahmen beauftragt. Ein- und dieselbe Person wurde ihnen vorgestellt als

  • Millionär
  • Lebensretter
  • Hellseher
  • Fischer
  • trockener Alkoholiker
  • ehemaliger Strafgefangener.

 

Sechs ganz unterschiedliche Portraits sind das Resultat, denn jeder der Fotografen versuchte, den Millionär, den Alkoholiker etc in diesem Bild einzufangen. Tatsächlich aber widerspiegeln die Bilder die Vorstellung des Fotografen, wie ein Millionär, ein trockener Alkoholiker etc zu sein hat.

 

Mal ist die Haltung selbstsicher entspannt, mal blickt er verkniffen in die Kamera, je nachdem ob er nun Lebensretter oder trockener Alkoholiker ist. Die Kleidung ist stets dieselbe (Jeans, offenes blaues Hemd über weißen T-Shirt) – aber was in der Persona des Millionärs als lässiges Understatement wirkt, erinnert bei dem vermeintlichen Strafgefangenen an Sträflingskleidung.

 

Als Mediator (und als Privatmensch) sollte man sich ständig hinterfragen, inwieweit wir uns beim Urteil über andere Menschen von unseren eigenen Vorstellungen und Stereotypen leiten lassen.

 

Vor Jahren lernte ich einen Mann kennen, der nach einigen Wochen erzählte, er hätte einen Gutteil seiner Jugend im Gefängnis verbracht – was ja generell nicht auf das Knacken von Kaugummiautomaten zurückzuführen ist.

 

Auf einmal erschien mir sein Lächeln nicht mehr freundlich sondern hinterhältig, seine Hände waren nicht mehr sportlich-kräftig, sondern brutal-kräftig. Mein Bild von ihm wurde beeinflusst von zahllosen gemütlichen Sonntagabenden beim Tatort-Gucken.

 

Vielleicht hätte er mir lieber erzählen sollen, er wäre Binnenfischer gewesen.

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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