Am Ende des Tages – eine Bilanz von Trennung und Mediation
Eine Bilanz von Trennung und Mediation: Think positive

Vier Jahre nach der Trennung, zwei Jahre nach der Mediation. Hat’s was gebracht?

Eine Bilanz von Trennung und Mediation

Viele Leser wissen: Die freundliche Mediatorin berichtet über Familienkonflikte und Familienmediation nicht allein aus akademischer Sicht. Denn die Ausbildung als Mediatorin, das Scheitern der eigenen Ehe und die Mediation zwischen meinem Ex-Mann und mir verliefen parallel, die Theorie wurde mit realen Erfahrungen unterfüttert, die Interventionstechniken gleich am eigenen Leibe erprobt. Fast zwei Jahre lang war ich angehende Mediatorin und Hauptrolle in meinem eigenen Rollenspiel. Das hatte bisweilen schon was schräges.

 

Mittlerweile ist die Ausbildung abgeschlossen und die Ehe geschieden. Der Alltag ist eingekehrt und die freundliche Mediatorin hat Mühe sich daran zu erinnern wie es damals war, als die Familie noch aus Vater, Mutter, Kind und Kind bestand und alle an einem Strang zogen.

Mediation im Interesse der Kinder: Das hat geklappt.

Wie die Leser ebenfalls wissen: Der Ex-Mann und ich, wir haben von Anfang an das Wechselmodell gelebt. Das war der Wunsch meines Ex-Mannes und es entsprach meinem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden. Niemals hätte ich mir vorstellen können, meine Kinder nur jedes zweite Wochenende zu sehen, wie könnte ich es dann vom Vater verlangen? Was aber nicht bedeutet, dass es mir leichtfällt. Auch vier Jahre nach der Trennung dreht sich mir der Magen um, wenn sich die Kinder ausgestattet mit Kuscheltier, Lesestoff und Zahnspange für eine Woche verabschieden, und ich zähle die Tage, bis sie wieder an der Tür klingeln. Mein Leben zwischen den Kindertagen fühlt sich an wie in der Warteschleife, trotz neuer Beziehung, trotz Freundeskreis, trotz der Freude, abends in Ruhe mal ein Buch lesen zu können. Was wohl die Kinder gerade machen?

 

Und dennoch: ich weiß, sie sind gut aufgehoben und ich weiß, sie haben die Phase der Trennung gut überstanden. Die Traumata halten sich in Grenzen. Der Ex-Mann und ich, wir haben das gut gemacht.

Aber nur mit Hilfe der Mediation.

Dabei war unsere Trennung eine Trennung „light“. Keine nächtelangen Szenen, keine Untreue, keine Verletzungen, nur ein schleichendes Auseinanderleben. Trotzdem waren wir in den Wochen nach der Trennung völlig außerstande, auch nur ein vernünftiges Wort miteinander zu reden. Mittlerweile sind wir, was die Kinder betrifft, ein recht eingespieltes Team – abgesehen von Reibereien hier und da, die es auch in der besten Ehe gibt. Aber wir halten uns an Regeln:

 

  • Wir stellen die Bedürfnisse der Kinder an erste Stelle
  • Wir respektieren die Elternrolle des anderen
  • Wir reden in Anwesenheit der Kinder niemals schlecht über den anderen
  • Etwaige neue Partner sind keine neuen Eltern
  • Im Zweifelsfalle lassen wir dem anderen auch mal den Vortritt

 

Alles in allem hätte ich bis vor ein paar Wochen noch das Hohelied auf meinen Ex-Mann und unsere Mediation gesungen.

 

Und dann hat er mich verknackt.

Bei Geld hört die Freundschaft auf.

Es war alles geregelt, es war alles besprochen. Der Mediationsvertrag lag zur Unterschrift bereit, die Mediatorinnen waren von uns begeistert, ich war froh, alles so gütlich geregelt zu wissen. Da räusperte sich mein Ex-Mann, nun, er hätte sich neulich überlegt und überhaupt und ob ihm nicht noch was zustehen würde. Also Geld. Also Zugewinnausgleich.

 

Dazu muss man wissen, dass ich während der Ehe fest angestellt war und gutes Geld verdient habe, während er sich als frisch gebackener Rechtsanwalt mit dem Ich-AG-Zuschuss über Wasser gehalten hat.

 

Deshalb fand ich es auch völlig in Ordnung, dass ich den mir möglichen Anteil geleistet habe, das Familienleben zu finanzieren. Dass ich im Rahmen des Versorgungsausgleiches ohne Ende Rentenpunkte an ihn abgeben werde – das ist schon nicht mehr ganz so in Ordnung. Denn als Angestellte musste ich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, während er in das Versorgungswerk nur den absoluten Mindestsatz abgeführt hat. Das war seine Entscheidung, und für die muss ich auch dann noch aufkommen, wenn er dereinst nur noch eine vage Erinnerung an seine Ex-Frau haben wird.

 

Zum Ende der Ehe gesellte sich aber auch das Ende des Angestelltendaseins. Der Arbeitsplatz fiel weg, das sichere Einkommen fiel weg, und nach fast zwanzig Jahren bei einer Firma, zwei Kindern und altersmäßig deutlich in der Kategorie „Vermittlungshemmnis“ kalkuliere ich nicht mit der Möglichkeit einer neuen Festanstellung.

Also bin ich seit 2014 selbstständig. Und das bedeutet, dass ich zunächst vom Ersparten und von der Abfindung leben muss.

 

An das Geld will er nun ran.

 

Ich meinte, dies könne er vergessen und unterschrieb die Mediationsvereinbarung, in der die finanzielle Einigung ausgeklammert wurde. Dann hörte ich lange Zeit nichts – bis das Schreiben vom Rechtsanwalt im Briefkasten lag.

 

Wer hat nun recht? Die Abfindung wurde nach Ende der Beziehung aber vor der Scheidung ausgezahlt. Sie errechnet sich aus der Dauer der Anstellung, die in die Zeit vor der Ehe und während der Ehe fiel. Aber die Abfindung soll eine Entschädigung für entgangenes Einkommen sein, dass in die Zeit nach der Beziehung fällt. Aber nur teilweise in die Zeit nach der Scheidung.

Es ist kompliziert.

 

Deshalb geht es nun vor Gericht. Und ich bemühe mich, dies sportlich zu sehen: Wir können uns nicht einigen, also brauchen wir eine neutrale Person, die uns sagt, wo es lang geht. Die Entscheidung werde ich dann akzeptieren, so wie eine falsche Schiedsrichterentscheidung im Endspiel.

Ist die Mediation damit gescheitert?

Ich habe für mich beschlossen: Nein. Das zentrale Thema wurde zur Zufriedenheit gelöst – dass wir nicht mehr Paar sind, aber immer noch Eltern bleiben. Und das ist das allerwichtigste.

 

Der Streit ums Geld ärgert mich. Maßlos. Aber ich bislang schaffe ich es, diese Gefühle in einen Koffer zu packen. Wenn eine Frist ansteht, klappe ich den Koffer auf – sonst nicht.

 

Vielleicht hätte ich misstrauischer sein sollen. Ich hätte die Mediationsvereinbarung zerreißen können – alles wieder auf Null. Ich hätte versuchen können, das Wechselmodell zu kippen um damit Druck auf ihn auszuüben. Ich hätte viel, viel früher den Scheidungstermin einreichen sollen. Aber ich kann nicht zwei Kinder großziehen, wenn ich im Vater den Feind sehe. Vielleicht wird mich das viel Geld kosten. Immerhin kann ich mich damit in den Spiegel sehen, wenn ich sage: Das wichtigste sind die Kinder.

Alles andere ist Erwachsenenkram.

 

 

 

 

 


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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