Alles auf Null – warum Corona für Deine Familie eine Chance ist
Alles auf Null - warum Corona für Deine Familie eine Chance ist

Dieser blöde Motivationsspruch, nach dem das chinesische Zeichen für „Krise“ auch das Zeichen für „Chance“ ist? In Zeiten von Corona stimmt das sogar. Wenn Du jetzt ins Handeln kommst, ist Corona für Deine Familie eine Chance.

Denn das, was schon seit Jahren ein ungelöstes Problem aller Eltern ist, das vor allem auf Kosten der Frauen von Politik und Gesellschaft ausgesessen wurde, das fliegt uns jetzt endgültig um die Ohren: Die Unmöglichkeit, Erziehungs- und Erwerbsarbeit zu vereinbaren.

Wir müssen unsere Haltung ändern, unseren gesellschaftlichen Stellenwert und unsere persönlichen Beziehungen.

Familienmediationen, das mag für den geneigten Leser nicht überraschen, haben derzeit Hochkonjunktur, und der Terminkalender der freundlichen Familienmediatorin ist wohl gefüllt. Familien, die unter normalen Umständen so ihre kleinen doofen Konflikte haben, hatten im Frühjahr so richtig ihren Spaß. Familien, die sich vor Corona schon auf dünnen Eis fanden, sind nun verzweifelt. Wer sonst bei mir anruft, hmm, hmm, ist gerade alles ganz schön schwierig, der ruft nun an und heult.

Vom Leiden ins Handeln kommen

Als Mediatorin habe ich zwei Aufgaben: zum einen der Not der Menschen einen Raum geben. Ihnen die Möglichkeit geben, einmal klar und deutlich auszusprechen: ja, mir geht es schlecht. In dieser und in jener Hinsicht. Und ich habe allen Grund dazu.

Zum zweiten: die Menschen zum Handeln zu bringen. Ihre Trauer und ihre Wut in Energie umzuwandeln, damit sich etwas ändert.

Genau das, was meine Medianten machen, müssen nun wir Familien schaffen. Denn die Corona-Krise hat ja nichts neues geschaffen – sie hat aber wie ein Brennglas die strukturellen Probleme verschärft.

Wir Eltern sollten jetzt die Chance nutzen, diese strukturellen Probleme anzugehen. Wann, wenn nicht jetzt? Und das muss auf allen Ebenen geschehen: Wir müssen unsere Haltung ändern, unseren gesellschaftlichen Stellenwert und unsere persönlichen Beziehungen.

1. Die Haltung ändern: wir sind keine Supermenschen

Den Familien wird nämlich ganz schön viel abverlangt. Home Schooling war kein Home Schooling, denn das wäre eine bewusste Entscheidung, für die Kapazitäten und Mittel vorhanden sind. Was wir Familien im Frühjahr leisten mussten, dafür gibt es keinen Namen, denn so etwas gab es noch nie: Eltern, die von heute auf morgen neben ihrem eigentlichen Job die Kinder zum Lernen animieren / bespaßen / betreuen / anregen, den Lernstoff, der auf irgendwelchen Kanälen entgegen fliegt, aufbereiten und organisieren, und die Inhalte den zappelnden Kindern auch noch vermitteln. Meine Kinder sind 12 und 14 und es hat mich am Tag gut und gerne 2 Stunden gekostet. Ich habe in Selbstmitleid gebadet, bis mir einfiel, es gibt genügend Eltern, die ihren Erst- und Zweitklässlern tatsächlich Lesen und Schreiben beibringen mussten, während Chef alle 20 Minuten anruft und nach den Zahlen fragt.

Und das bei den privilegierten Müttern und Vätern, die überhaupt theoretisch im Home Office arbeiten können.

Die freundliche Familienmediatorin weilte im Sommer am Ostseestrand und wunderte sich bisweilen, dass sie nur Großeltern mit den Enkelkindern sah. Wo waren die Eltern? Bis ihr dämmerte: wer angestellt ist und nicht ins Home Office konnte, der hatte im Juli 2020 nicht ein Fitzelchen Urlaub mehr. Erst hat der eine den Jahresurlaub aufgebraucht, dann der andere: macht zusammen 3 Monate, allerdings ohne jede Erholung. Bäm.

Dass die Schulen trotz mehr als beengten Klassenräumen und trotz einem Hygienekonzept, dass man sich in die Haare schmieren kann, wieder auf Normalbetrieb fahren, hat übrigens genau diesen Grund.

Zudem: während wir Eltern also den Laden zusammen gehalten haben, mussten wir den ganzen Druck aushalten:

  • uns Sorgen um ältere Familienmitglieder und Freunde machen
  • um unseren Job bangen
  • um die ganze Welt bangen
  • die grantigen Teenager ertragen, die sich nicht mit Freunden treffen durften
  • die hyperaktiven Kleinkinder ertragen, die nicht in die Kita durften
  • Klopapier und Pasta auftreiben
  • 5 Kilo zunehmen
  • etcpp.

Da ist es nur legitim, wenn wir ab und zu, im privaten Umfeld wie auch im beruflichen, laut sagen: Das kostet alles ganz schön Kraft. Und ja: mehr Kraft, als ich bisweilen habe.

2. Einen gesellschaftlichen Stellenwert fordern: Wütend sein, laut sein

In der Regierung sitzen schlaue Leute, und ich bin sicher, denen ist genauso klar, wie sehr das alles auf Kante genäht ist. Und sie wurden genau wie wir alle mit der Nase darauf gestoßen, dass die Bildungspolitik die Digitalisierung der Schulen komplett verschlafen hat und somit remote learning ein Trauerspiel war.

Was die Regierung da macht? Richtig. Sie veranstaltet einen Autogipfel.

Nicht etwa einen

  • Familiengipfel.
  • Bildungsgipfel.
  • oder einen Digitalisierungsgipfel.
  • Und natürlich auch keinen Pflegegipfel.

Weil wir Familien keine Lobby haben. Spitzenpolitiker sind oftmals kinderlos und offensichtlich außerstande zu sehen, was es eine Gesellschaft kostet, wenn Kinder als aufwändiges Hobby einer Minderheit gesehen werden, die damit die bruttosozialproduktschaffende Mehrheit bitte nicht zu belästigen habe. Klingt übertrieben? Ist es nicht.

Und innerhalb der Gruppe der Eltern sind es vor allen Dingen die Frauen, die diese Politik ausbaden müssen. In der Krankenpflege sind 80% der Personals weiblich, in der Altenpflege 85%. Systemrelevant seien sie, wurde gesagt, auf den Balkonen wurde geklatscht, aber (ganz im Gegensatz zu Fußballspielern) haben sie bis heute größte Schwierigkeit, sich testen zu lassen, obwohl jeder dritte COVID-19-Tote in einem Pflege- oder Altenheim wohnte.

Wir sollten Petitionen verfassen, demonstrieren, den Politikern bei jeder Gelegenheit auf die Füße treten. Wir tun es nicht, weil wir keine Zeit haben, so einfach ist das.

Warum diese Zeit für uns trotzdem eine Chance ist? Weil wir uns als Familien und insbesondere als Frauen endgültig von der Vorstellung verabschieden müssen, in der Regierung oder in Wirtschaftskreisen gäbe es irgendjemanden, den unsere Bedürfnisse interessiert. Wir erleben gerade eine lobbypolitische Bauchlandung.

Jetzt wissen wir: wir können entweder liegenbleiben – oder endlich einmal aufstehen.

3. In unseren persönlichen Beziehungen: Den Familienvertrag neu aushandeln

Wenn ich Familien berate, nenne ich gerne den Begriff „Familienvertrag“ – die Regeln und Abmachungen, mit denen wir unser Familienleben organisieren.

Wenn wir mir jemanden zusammenziehen und einen gemeinsamen Haushalt gründen, ist dies meist kein großes Problem: wir sind frisch verliebt, wollen den anderen ein bisschen verwöhnen und haben meist auch die nötigen Ressourcen: Zeit und Geld. Denn auch mit zwei vollen Stellen bekommt man den Haushalt schon gewuppt bzw. holt sich eine Hilfe.

Die erste Hürde kommt, wenn Kinder in die Gleichung aufgenommen werden: nun arbeitet in der absoluten Mehrheit die Frau nur noch Teilzeit, übernimmt den Löwenanteil der Kinderbetreuung und magischerweise auch den Löwenanteil der Hausarbeit. Und meistens haben das die Beteiligten nicht gemeinsam und bewusst entschieden, sondern sind in diese Situation so reingeglitten, zunächst für die Dauer der Stillzeit, dann der Elternzeit, und hoppla, für die nächsten 15 Jahre auch. 20 Jahre später, und sie sitzen bei mir, der freundlichen Familienmediatorin, und hauen sich das gegenseitig um die Ohren. Ich habe die Windeln gewechselt und du hast Karriere gemacht und ich wollte das nie.

Corona verschärft diese Situation noch einmal. Die freundliche Familienmediatorin lebt nun schon das achte Jahr im Wechselmodell, Kind 1.0 und 2.0 sind 14 und 12 Jahre alt. Der Vater ist selbstständig und arbeitet in seinem Büro. Ich bin selbstständig und arbeite von zuhause aus. Was machten Kind 1.0 und Kind 2.0, als die Schulen geschlossen waren? In „meiner“ Woche waren sie bei mir, um sich von mir helfen zu lassen, um mit mir zu essen und mit mir Netflix zu gucken. Und in „seiner“ Woche standen sie um 10:00 bei mir vor der Tür, denn der Vater war ja nicht da.

Die freundliche Familienmediatorin brachte es nicht übers Herz, die Kinder mit einem Hinweis auf das Betreuungsmodell wieder zum Vater zu schicken. Sie ärgerte sich lieber im Stillen.

Mein guter Rat an alle, die sich als Paar verstehen: nutzt die Chance! Jetzt, wo alles anders ist, wo Ihr ohnehin improvisieren müsst – stellt alles auf den Prüfstein! Handelt neu aus, mit offenem Ergebnis: wer arbeitet wann und wie viel? Wer kümmert sich um was im Haushalt? Wer kümmert sich *eigenverantwortlich* um welche Aufgabe?

Meine Damen und Herren, wir kommen nun zur Werbung!

Sophie Löffler – die freundliche Familienmediatorin

Wenn Euch beim Gedanken, diesen Familienvertrag neu auszuhandeln, schon schummerig wird, weil solche Diskussionen immer zu einem handfesten Streit ausarten: dann lasst Euch helfen. Eine Mediation ist ein gutes Werkzeug, Konflikte in der Familie konstruktiv und zielorientiert zu bearbeiten. Aussetzen hilft nix. .

Ruft mich an oder mailt mir. Oder vereinbart gleich einen unverbindlichen telefonischen Ersttermin!


Umbruch by Hamburger Mediatorin - Sophie Löffler
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